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Angestoßen durch die Erarbeitung von Bildungsempfehlungen für das Land Nordrhein-Westfalen hat WeltWerkstatt e. V. in inzwischen fast 20 Jahren das Konzept einer "Kultur des Lernens" für Krippen und Kindertageseinrichtungen praktisch und theoretisch entwickelt. Dieses steht in der Tradition europäischer Reformpädagogik und berücksichtigt den gesellschafts- und bildungspolitischen Kontext in Deutschland und Österreich. Vor diesem Hintergrund verwirklicht es ein konsequent demokratisches Verständnis von Bildung und Erziehung vom ersten Lebenstag an.


"Kultur des Lernens" versteht darüber hinaus Lernen nicht als individuelle Aufgabe der Kinder, sondern als gemeinsame Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte. Es finden sich soziale, bildungspolitische, institutionelle, familiäre und individuelle Bestrebungen zusammen. Ihr Ziel: allen Kindern, gleich welcher Herkunft und Ausgangslage, die Bedingungen zu schaffen, die sie brauchen, um an einem befriedigenden sozialen und kulturellen Leben teilnehmen zu können. Den pädagogischen Rahmen einer solchen "Kultur des Lernens" bildet ein partizipatives Bildungsverständnis: Kinder bilden sich durch handelnde Teilnahme an der sozialen und kulturellen Welt der Erwachsenen. Fachkräfte gestalten und unterstützen die Bildungsprozesse von Kindern durch ihre Teilnahme an den Handlungs-, Erlebens- und Denkwelten der Kinder.

Diese Wechselseitigkeit der Teilnahme kann durch ein vielfältiges Zuhören der Erwachsenen (Wahrnehmendes Beobachten) und eine Verständigung mit Hilfe der "hundert Sprachen" von Kindern gelingen. Sie ermöglicht den Kindern ein Erfahrungslernen von Anfang an, das sich mit dem kulturellen Wissen einer ganzen Gesellschaft verknüpft. Dieses pädagogische Konzept wurde inzwischen in mehr als 100 Einrichtungen praktisch erprobt und weiter differenziert. In der intensiven Zusammenarbeit mit den Einrichtungen wurde gleichzeitig ein Fortbildungskonzept erarbeitet. Es verbindet praktische Handlungsformen mit theoretischen Hintergründen. Über das Konzept des Wahrnehmenden Beobachtens öffnet sich nicht nur ein Weg zur empathischen Wahrnehmung der Kinder, sondern gleichzeitig zur Wahrnehmung und Reflexion der eigenen pädagogischen Haltungen mit dem Ziel ihrer Weiterentwicklung.